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von Manfred Rompf
- Einleitung: Was ist
Kontemplation?
- Praktische
Anleitung zur Kontemplation
- Die Verneigung
- Der
Meditationssitz
- Die
Körperhaltung
- Die Atmung
- Die
Grundübung
- Begleitende Worte
- Beispiele
- Die Gedanken
- Kontemplation in
der Gruppe und Zuhause
- Ziel der
Kontemplation
In
der christlichen Tradition
können wir drei verschiedene Formen des Betens
unterscheiden:
Das gesprochene
Gebet:
Dank, Klagen, Bitten, Fürbitten und Anbetung;das
betrachtende Gebet: Meditation,
die Betrachtung und Verinnerlichung des Wortes Gottes, sowie
von religiösen Bildern und
Symbolen;
das
schweigende Gebet: die
Kontemplation, nichtgegenständliche
Meditation.
Alle drei
Formen können auch
ineinander übergehen, hier konzentrieren wir uns
auf die dritte Weise, die Kontemplation. (Fernöstliche
Meditation
meint in der Regel nichtgegenständliche Meditation und
steht in Parallele zur christlichen Kontemplation. Aber auch die
fernöstlichen Religionen kennen
gegenständliche Meditation. Im christlichen Abendland war
Meditation in der Regel
Schriftmeditation.)
Kontemplation
ist die Bezeichnung für den
christlich-mystischen Weg, sich in der Gegenwart Gottes zu erfahren, ja
in liebender Hingabe an die
letzte Wirklichkeit sich mit dieser als Einheit zu erleben. Das Wort
„Kontemplation“ kommt vom
Lateinischen und setzt sich zusammen aus „con“, das
bedeutet „gemeinsam“ oder
„mit“, und „templum“,
das bedeutet „Betrachtungsraum“, Heiliger Raum der
Gottheit, wo die Priester betrachten, beobachten
und beschauen, was der Wille der Gottheit sei. So bedeutet auch das
lateinische Verb „contemplari“
„betrachten, beschauen“. Es geht in der
Kontemplation darum, selbst zum Tempel, zum Ort der
Gottesbeschauung und Einwohnung Gottes zu werden.
„Der
Mensch lasse die Bilder der Dinge ganz
und gar fahren und
mache und halte seinen Tempel leer. Denn
wäre der Tempel entleert, und
wären die Phantasien, die
den Tempel besetzt halten, draußen, so
könntest Du ein Gotteshaus werden, und
nicht eher, was Du auch tust. Und so
hättest Du den Frieden Deines Herzens und
Freude. Und
dich störte nichts mehr von dem, was Dich jetzt
ständig
stört, Dich
bedrückt und leiden lässt.“
Johannes Tauler (1300 –
1361)
Eine
sehr gute Formulierung fand 1992 Bede
Griffiths (1906
– 1993 – Benediktiner, christlich -
hinduistische Verständigung und Erfahrungsaustausch):
„Kontemplation
ist das
Erwachen
zur Gegenwart Gottes im Herzen des Menschen und im uns
umgebenden Universum. Kontemplation ist Erkenntnis im
Zustand von Liebe.“
Da
Gott nicht gegenständlich zu
fassen ist, geht es in der Kontemplation nicht um ein rationales,
sinnliches Betrachten, auch nicht
von Worten, von Bildern und Symbolen wie in der Meditation, sondern um
ein gegenstandsfreies
Beschauen, eigentlich um ein Sich – beschauen -lassen, Sich
– durchdringen - lassen vom
Unbegreiflichen. Dazu ist Zeit und Raum der Stille erforderlich. In der
Stille kommt der Mensch zu
sich selbst, er lernt sich immer mehr auch in seiner Tiefe kennen. Die
Selbsterkenntnis und die
Gotteserkenntnis gehören untrennbar zusammen, wie zwei Seiten
zu einem Blatt. Wir lernen in der
Stille, uns selbst, unserer Wirklichkeit und der uns umfangen den
Wirklichkeit Stand zu halten. Das
kann ein Erschrecken sein, ist aber auch verbunden mit einem Staunen
über Geheimnisse in unserem
Leben und der Schöpfung, schließlich mit einem
Staunen über ein letztes Geheimnis oder schon einem
Ergriffensein von diesem, das wir nicht zutreffend bezeichnen
können. Und doch haben Menschen aller
Kulturen und Religionen das Unsagbare benannt: Das Göttliche,
Gottheit, Gott, Ursprung des Lebens,
Quelle der Liebe, Vater, Herr, Mutter, Grund, Sein, Einheit, letzte
oder erste Wirklichkeit, Allah,
Brahman, Tao und anders. Da solche Erfahrung
„geheimnisvoll“ ist, da sie mit der Vernunft nicht
zu
fassen ist, wird sie mystisch genannt. Mit Mystik bezeichnen wir das
dem Verstand nicht mögliche,
„geheimnisvolle“ Erkennen und Schauen Gottes mit
dem Herzen und im Geist, das aus Gnade erfahren
wird. (Siehe:
Matthäus, 5,8: „Selig sind, die reinen Herzens
sind; denn sie werden Gott schauen.“. Johannes, 4,23 f.:
„Aber es kommt die Zeit und ist schon
jetzt, in der die wahren Anbeter den Vater anbeten werden im Geist und
in der Wahrheit; denn auch
der Vater will solche Anbeter haben. Gott ist Geist, und die ihn
anbeten, die werden ihn im Geist
und in der Wahrheit anbeten.“. Epheser,1,17f: .. dass der
Gott unseres Herrn Jesus Christus, der
Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und der
Offenbarung, ihn zu erkennen. Und
er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens…“.
Römer 5,5: „.. denn die Liebe Gottes ist ausgegossen
in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben
ist.“) Der Glaube wird als
Liebesbeziehung
zum Göttlichen erlebt.
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-
Mystische
Erfahrung kann grundsätzlich allen zuteil werden.
Man kann sich ihr öffnen oder verschließen. Sie
beginnt ganz einfach, sie kann aber ganz tief und
weit gehen. Sie wird als Geschenk erlebt, sie bewährt sich im
Alltag in der Liebe, durchaus auch im
politischen Handeln (z.B. Mose, Propheten, Bonhoeffer, Dag
Hammarskjöld). „Eine Mystik; die nicht
in den Alltag führt, ist ein Irrweg“ (Willigis
Jäger). Mystische Erfahrung ist unabhängig von
irgendeiner Religion möglich. Heute sind viele Menschen ihrer
Herkunftsreligion entfremdet. Sie
können mit den überkommenen Glaubenssätzen
und religiösen Vorstellungen nichts mehr anfangen und
vieles stößt sie ab. Manche können noch
nicht einmal mehr das Wort „Gott“ hören,
weil sie
vorwiegend nur den Missbrauch dieses Wortes erfahren haben. Doch suchen
sie nach einem Sinn
erfüllten Leben und solche Suche allein ist schon
religiös. Meditation und Kontemplation sind auch
für sie Wege, zu eigenen religiösen Erfahrungen zu
kommen. Solche Erfahrungen sind wertvoller als
Glaubensdogmen, die nur leere Hülsen für sie sind.
Aus ihrer eigenen Erfahrung verstehen sie
schließlich auch, dass vielen Glaubensaussagen und
Vorstellungen mystische Erfahrungen zugrunde
liegen, die sie aber auch anders ausdrücken können.
Sie werden auf Grund eigener Erfahrung fähig,
vieles aus der Bibel neu und innig zu verstehen und für sich
umzusetzen. Sie lassen sich aber
keinen fest geformten oder gar fest gefahrenen engen Glauben
überstülpen. Sie sind mündig geworden
und das ist gut so. Die
verschiedenen Meditationsformen, auch die
nichtgegenständliche Meditation, kommen aus Religionen. So wie
Zen aus dem Buddhismus kommt, so die
Kontemplation aus dem Christentum. Beide können sich
gegenseitig befruchten und haben dies
besonders im 20. Jahrhundert getan. Buddhistische Zen-Meister haben
sich z.B. mit Meister Eckehart
intensiv befasst und christliche Theologen wie Rudolf Otto (ev.) und
H.M. Enomia – Lassalle
(kath.) haben sich von Zen-Meistern im Zazen – dem Sitzen in
Sammlung und Stille – einführen lassen
und dabei ihren je eigenen Glauben intensiver erlebt. Inzwischen haben
viele Christen für ihre
Spiritualität von Zen her Anregungen erhalten und in der
Kontemplation ihren christlichen Weg
gefunden und die Schätze aus der Bibel und christlichen Mystik
ausgegraben. Dadurch haben sich auch
alte Glaubensvorstellungen aufgelöst, verändert und
geweitet. Der Denk- und Glaubenshorizont ist
größer geworden.
Unser
Weltbild und unsere Lebensweise haben sich
gegenüber denen der Zeit der Entstehung der Bibel und der
Christenheit früherer Jahrhunderte
sehr entfernt. Darum sind alte Texte oft nicht so einfach zu
verstehen. Doch können wir von
einigen dieser Texte hilfreiche Anregungen zu eigener Erfahrung
erhalten. Es lohnt sich, auf
solche Texte und ihre Erfahrung zu hören und zu schauen. Was
kann, was will ich davon übernehmen
und was nicht. Oder wie kann ich solche Texte für mich
verändern, dass sie in mein Weltbild
(das auch veränderbar ist) und in mein Leben
hineinpassen.
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Wer
sich auf
den Weg der Kontemplation begibt, kann behutsam
anfangen mit den Übungen der Stille, des Schweigens, des
Loslassens und warten, was entsteht. Am
besten ist es, sich von einem Erfahrenen einführen zu lassen
und hin und wieder in einer Gruppe
gemeinsam im Schweigen zu sitzen und Erfahrungen auszutauschen und
selbst regelmäßig zu üben. Mit
dieser Anleitung kann man schon allein anfangen und sich
später immer mal wieder orientieren. Wenn
man den Weg weiter geht, ist es gut einen persönlichen
Begleiter zu haben. Bei den meisten
Kursangeboten zur Meditation und Kontemplation wird mit
Körperübungen begonnen, z.B. aus der
Eutonie (Wohlspannung), Körperbildung, Feldenkrais, Yoga. Bei
diesen Übungen geht es darum, zur
Ruhe zu kommen und Leib, Seele und Geist in Einklang und zu einer
inneren Harmonie zu bringen. Es
werden körperliche und seelische Verspannungen
gelöst und Hilfen gegeben, um in der
Meditation und Kontemplation wach, aufrecht und nicht verspannt zu
sitzen. Solche Körperübungen
sind besonders am Anfang wichtig. Wer solche Übungen in einem
Kurs nicht gelernt hat, kann sich
seinen Körper bewusst und wach machen, z.B. indem er, bevor er
sich zur Stille hinsetzt, von den
Fußsohlen bis zum Kopf mit den flachen Händen
abklopft. Brustbein mit den Fingerknöcheln, Hals,
Gesicht und Kopf mit den Fingerkuppen abklopfen. Die Ohrmuscheln
können etwas geknetet werden. Das
macht wach und munter. Auch einfaches, intensives Rekeln und
Gähnen ist gut. Ich spreche
im
Folgenden meist von Meditation. Das anfängliche
Üben ist wohl zutreffender zunächst als
Konzentrationsübung und dann als Meditation zu bezeichnen,
aus der die Kontemplation erwächst. Kontemplation kann man
nicht selber machen. Wir können uns nur
in der Übung der Stille bereithalten für ein
Innewerden der göttlichen Wirklichkeit.
Wir
können in verschiedenen Körperhaltungen meditieren:
Im
Gehen, Stehen und Liegen. Die intensivste Art ist das gesammelte,
aufrechte Sitzen. Je stärker wir
dabei die Unterstützung vom Boden empfinden, umso besser
können wir Verspannungen loslassen und
längere Zeit stillsitzen. So empfiehlt es sich, das
Sitzen mit einem festen Kissen im
erleichterten Lotussitz (Halblotussitz bzw. Hanka), im Fersensitz oder
mit einem
Meditationsbänkchen zu erlernen. Durch körperliches,
bewusstes Üben lösen sich Verspannungen und
das Sitzen am Boden wird im Laufe der Zeit angenehm. Aber auch auf dem
Stuhl ist ein gutes Sitzen
möglich. Es ist besser, auf einem Stuhl aufrecht und gerade
als krumm und mit Schmerzen auf dem
Boden zu sitzen. Die folgenden Anleitungen zum Sitzen entsprechen
weitgehend denen, wie sie im Zen
geübt werden und sie haben sich auch für die
christliche Meditation und Kontemplation inzwischen
bewährt. Die disziplinierte Haltung hilft auch zur inneren
Disziplin und dazu, in wacher
Aufmerksamkeit da zu sein.
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Die
Verneigung
geschieht im Sitzen oder Stehen mit den leicht
zusammengelegten Handflächen. Dies bedeutet: ich hole mich aus
aller Zerstreutheit zusammen (und
vertraue mich der alles umfassenden Wirklichkeit an). Diese
Gebärde kann für die einzelnen
verschiedene Bedeutungen haben und auch mit einem Gebet
verbunden werden. Vor und nach der
Übung tut es gut, den Rücken zu beugen. Geschieht die
Verneigung beim Sitzen, sollte man sich beim
Aufrichten etwas mit den Händen vom Boden abdrücken,
damit im Rücken keine übermäßige
Anspannung
entsteht.
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a) Auf
einem Stuhl
oder Hocker setzen wir uns etwas nach vorn
gerückt. Wir lehnen uns nicht an. Die Sitzfläche soll
gerade und fest sein. Eventuell kann man
gegen
Kälte eine Decke unterlegen. Polstersessel sind nicht zur
Meditation geeignet,
sie verleiten zum Erschlaffen und erschweren ein gerades Sitzen und ein
gutes Körperbewusstsein.
Man soll seine Sitzknochen
(„Sitzbeinhöcker“) spüren
können. Die Füße stehen gerade auf dem
Boden.
Bei längeren Beinen bzw. niedrigem Hocker ist auch
Überkreuzung der Unterschenkel möglich.
Besser ist es den Stuhl durch eine feste Unterlage zu
erhöhen. Die Knie sollen
immer etwas tiefer als die Leisten sein.
b) Auf einem
Meditationsbänkchen (nach vorn
abgeschrägt) können wir im erleichterten Fersensitz
sitzen.
Die Bänkchenhöhe zwischen 14 und 24 cm ist
individuell verschieden (Beinlänge bzw. –umfang und
Dehnungsfähigkeit). Der Fußrücken kann bei
zu starker schmerzender Dehnung etwas ausgepolstert
werden, z.B. mit einer Decke oder fest gerolltem Handtuch. Wir setzen
uns in den Fersensitz und
stellen das Bänkchen mit der niedrigeren Kante nach vorn
über die Unterschenkel. Die Sitzbeinhöcker
sollten in der Mitte auf der Bankfläche sein. In dieser
Körperhaltung kann man diese Knochen in
jeder Gesäßhälfte gut fühlen. Wir
finden sie leicht, indem wir mal die Hände unter das
Gesäß legen
und den Druck der Knochen an den Händen spüren. Die
Sitzbeinhöcker ins Körperbewusstsein zu
bekommen, ist für das aufrechte Sitzen sehr hilfreich.
 

c) Fersensitz
ohne Hilfsmittel oder mit einer gefalteten Decke zwischen
Beinen und Gesäß d) Im Sattelsitz
mit gefalteten Decken, gerader Sitzbank oder
Meditationskissen zwischen den Beinen; e) Auf einem festen
Sitzkissen (Meditationskissen mit
Kapok oder Buchweizenhülsen gefüllt) oder gefalteter
Decke bzw. Decken (ca. 5 – 20 cm hoch
individuell verschiedene Sitzhöhe erforderlich) mit
überkreuzten Beinen
- im
Lotossitz: beide Füße liegen auf
den Oberschenkeln – oder - im
halben Lotossitz:nur ein Fuß liegt auf
einem Oberschenkel – oder

- im
Hanka: beide oder nur ein Fuß liegen/liegt
auf dem/ den
Unterschenkel/n
- im
Burmesischen Sitz: beide Füße auf
dem Boden voreinander liegend.

Wichtig
ist beim
Sitzen auf einem Kissen, dass auch die Knie
(zumindest die Unterschenkel bis fast zu den Knien) den Boden
berühren (entsprechend höhere
Unterlage nehmen). Die Knie liegen tiefer als die Leisten. Für
die meisten ist das Sitzen mit
verschränkten Beinen nicht oder nicht für
längere Zeit möglich. Man sollte sich damit nicht
quälen,
sondern dann besser ein Bänkchen nehmen.
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Wir
nehmen die
feste Berührung mit dem Boden und der
Sitzfläche wahr. Wir haben Grund und Basis. Wir
spüren mit den Sitzknochen durch Haut und Kleidung
zur festen Sitzunterlage, so richtet sich der Rücken fast von
selbst auf und es fällt uns leichter,
lotrecht zu sitzen. Der Oberkörper ist gerade aufgerichtet bis
zum Kopf. Der gut ausbalancierte
Aufbau des Knochengerüstes ermöglicht einen
ausgeglichenen Spannungszustand der Muskulatur. Das
führt zu seelischer Ausgeglichenheit und Gelassenheit. Die
körperliche Tragfähigkeit stärkt die
seelische Belastbarkeit. Wir brauchen nichts hochzuhalten. Die
Schultern sind frei und gelöst zu
lassen. Der Bauch ist nicht eingezogen. Die Hände werden in
den Schoß gelegt.

Die
linke Hand
liegt in der geöffneten rechten und die Daumen
berühren sich zart. Die leichte Berührung der Daumen
hilft, eine geringe Grundspannung zu halten,
denn Meditation ist keine Entspannungsübung. Die Zunge liegt
gelöst im Mund. die Augen sind etwas
geöffnet und der Blick wird auf eine Stelle etwa 1 bis 1,50 m
davor auf den Boden gerichtet. Die
Augen etwas offen zu halten, ist anfangs meist schwierig. Man kann sie
dann zunächst schließen.
Aber es ist wichtig zu üben, dass sie offen bleiben, um nicht
ins Dösen oder Träumen zu kommen. In
der Meditation sind wir ganz wach und aufmerksam. Es ist hilfreich,
besonders zu Beginn der
Meditation und auch mal zwischendurch, wenn die Gedanken abgeschweift
sind, den ganzen Körper durch
zu spüren. Außer der Berührung mit dem
Boden und der Sitzfläche soll auch die Berührung der
Haut
mit der Kleidung und der Luft wahrgenommen werden. Wir spüren
den Aufbau des Oberkörpers im festen,
sicheren und gerade darum gelösten Sitz.
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-
Vielen
hilft
das Beobachten des Atemgeschehens. Am Anfang der
Einübung haben einige jedoch dabei Schwierigkeiten und
können mit dem Atem aus ihrem Rhythmus
kommen oder manipulieren. Für sie gilt, sich um den Atem
vorerst gar nicht zu kümmern. Der Atem
geht ganz von selbst und soll so gehen, wie er gehen will
(„Ist er kurz, so ist er kurz; ist er
lang, so ist er lang.“). Im Laufe des Übens
über Monate und Jahre wird der Atem länger. Meist
wird
das Ausatmen wesentlich länger als das Einatmen und es
entsteht eine längere Pause nach dem
Ausatmen. Aber keinesfalls den Atem „machen“, und
schon gar nicht nach einem Schema atmen. Der
Atemrhythmus ist sehr lebendig und jeder Lebenssituation angepasst,
daher unregelmäßig. Wir
beobachten nur den Atem, wie er geht und was sich dabei im
Körper bewegt. Also behutsam zuschauen,
wie es in mir atmet.
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Vom
Leiter/ von der Leiterin ruhig
und langsam mit Pausen gesprochen oder
selbst auszugsweise gedacht:
Ich
bin ganz aufmerksam, im Sitzen gegenwärtig, hier und jetzt. Ich
nehme den Boden wahr, mit den Füßen und Beinen
spüre ich die Berührung mit dem Boden. Ich
nehme die
Sitzfläche wahr.
Mit den Sitzknochen spüre ich durch Haut und Kleidung zum
Bänkchen (Kissen oder Stuhl). Ich
nehme die Beziehung zum Boden durch das Bänkchen (Kissen/
Stuhl) auf.
Ich spüre, ich habe festen Halt, Grund und Basis. Ich
nehme wahr, wie sich
von dieser Basis mein Oberkörper vom Becken bis zum Kopf aufbaut Wirbel
für Wirbel;
aufrecht im Lot bin ich aufrichtig da.
So kann ich ganz wach da sein. Die
Augen sind etwas
geöffnet vor mir auf den Boden gerichtet.
So halte ich gut die Balance. Ich
nehme die
Hände wahr.
Die Daumen berühren sich leicht. Auch
die Zunge ist
gelöst. Behutsam
achte ich auf die
Bewegungen,
die durch das Atmen geschehen.
Ich nehme den Atem wahr
im Einatmen und Ausatmen,
im Kommen- und Loslassen,
und warte, bis er von selbst wiederkommt. So bin
ich ganz gelassen
aufrecht, aufrichtig da. Aufmerksam
nehme ich meine
Gedanken wahr, die von selbst kommen.
Ich gehe ihnen nicht nach, ich lasse sie los ohne zu werten.
Meine Gedanken kommen immer mehr zur Ruhe. Ich
überlasse
mich ganz der Stille. Ich
lausche in die Stille. Ich höre die Stille.
Nun kann ich
mein begleitendes Wort aufnehmen und wenn möglich
mit dem Atem verbinden, oder den Atem zählen, oder einfach in
die Stille lauschen und alle Gedanken
los lassen.
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Begleitende
Worte
Um
die
Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen und das Abschweifen
zu verhindern, sind kurze, begleitende Worte hilfreich, auch um zu
verhindern, dass zu vieles aus
dem Unbewussten aufsteigt. Die Worte werden lautlos in Gedanken
gesprochen. In der Übung wird nicht
darüber nachgedacht. Es sollten Worte sein, die den Prozess
der Meditation fördern, eine gute
Bedeutung und einen guten Klang haben, z.B. Odem, Amen
(treu, wahrhaftig, gewiss) und
Schalom (Friede; es ist heil, es ist gut zwischen
dir und deinem Gott und deinem Nächsten,
Friede sei mit allen). Weitere Worte könnten sein Liebe,
Geborgenheit, Vertrauen, Dank,
Gelassenheit, Loslassen.
Grundsätzlich
nehme ich in die Meditation nur etwas, das ich
ehrlicherweise nachvollziehen kann bzw. was ich in mir wirken lassen
möchte. Von den aufgeführten
Beispielen wähle man sich das, was einem auch dem Inhalt nach
gemäß erscheint. Wichtig ist, dass
sich die Worte nach dem Atem richten bzw. auf diesen warten und dieser
nicht von den Worten in
seinem Rhythmus bestimmt oder gestört wird. Der Atem soll
gehen, wie er gehen will (und das ist
unterschiedlich). Wer mit dem Atem Schwierigkeiten bekommen sollte beim
Wiederholen der Worte nach
dem Atemrhythmus, wiederhole die Worte, ohne auf den Atem zu achten. Im
Laufe der Zeit stellen sie
sich ohnehin aufeinander ein. Solange das nicht der Fall ist, macht es
nichts. Dagegen sind die
Beispiele missverstanden, wenn sie zu schematisch geübt
werden. Solche Wiederholungsworte braucht
man natürlich nicht ständig zu wiederholen. Je
gesammelter man ganz wach da ist, umso seltener
können sie dann wiederholt werden oder ganz entbehrlich
werden. Gut ist es, dabei ganz in sich zu
ruhen bzw. sich dem gegenwärtig zu wissen, der / das immer
schon gegenwärtig ist. Kommen andere
Gedanken auf, so kehrt man, ohne sich über sich selbst zu
ärgern, zu den Wiederholungsworten
zurück. Wenn man sein Begleitwort gefunden hat, sollte man
eine längere Zeit dabei bleiben.
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(Bei kurzem Atem nur die unterstrichenen
Worte)
a) Ausatmen: loslassen
-- Einatmen: kommen lassen
b) Ausatmen: ich zu Dir
-- Einatmen: du zu mir
c) Ausatmen: los lassen, nieder
lassen
Pause:
eins werden
Einatmen: neu werden
d)
Ausatmen: Los von
mir, hin
zu Dir
Pause: Ganz
in
Dir
Einatmen: Neu aus Dir e)
Einatmen: O
– Ausatmen: – dem
Entsprechend wie bei Odem auch bei A-men,
Scha-lom, Sa-lam u. a. f)
Beim
hebräischen Namen von Jesus: Jehoshua,
d.h. „Gott hilft“,
kann sowohl mit
dem Ausatmen als mit dem Einatmen begonnen werden.
g) Das Jesus-Gebet
(Herzensgebet) der Ostkirche:
Einatmen: Herr, Jesus
Christus
Ausatmen: Du Sohn Gottes, erbarme
Dich
Pause:
meiner (unser)
Oder entsprechend: Kyrie
eleison oder
Herr Jesus Christus oder nur Jesus
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Außer
einem begleitendem Wort kann ich auch zur
Gedankenkontrolle den Atem von eins bis
zehn zählen und immer wieder bei eins
beginnen (nur bis 10 um nicht ins Rechnen zu kommen). Dadurch kommen
die Gedanken zur Ruhe und
unter Kontrolle. (Diese Methode wird im Zen empfohlen.) Wenn ich merke,
dass ich ins Denken,
Planen, oder Träumen gekommen bin, kann ich, auch wenn ich
erst bei drei bin, wieder bei eins
anfangen. Ich „mache“ mir keine Gedanken. Aber ich
kann das Denken nicht abschalten. Das Gehirn
arbeitet weiter (sogar im Schlaf, wie wir aus den Träumen
wissen). Ich nehme die Gedanken nur wahr
und versuche ihnen nicht nach zu gehen. Ich lasse sie einfach sein.
Kommen Vorstellungen oder
Bilder- auch religiösen Inhalts – auf, und sei es
Maria oder Jesus, werden sie in der Kontemplation
(im Unterschied zur Meditation) losgelassen bzw. weggestellt. Es sind
nur Bilder, keine
Wirklichkeit.
In
der Stille
kommen viele Gedanken hoch, manches lang
Verdrängte wird wach. Die Gedanken kommen und gehen zu lassen,
hat eine analytische Funktion. Wenn
aber zuviel Unbewusstes erwacht, besteht die Gefahr, dies nicht
verarbeiten zu können. Es ist
wichtig, dass Probleme, mit denen man allein nicht fertig wird, mit
einem Vertrauten, einem
Meditationslehrer, einem seelsorgerlichen Berater oder Therapeuten zu
besprechen. Wer seine
Vergangenheit nicht bewältigen und verarbeiten, sondern
verdrängen möchte, kann nicht
gegenstandsfrei meditieren. In der Kontemplation wird ja nicht nur der
Körper still, sondern es
kommt ein innerer Klärungsprozess in Gang. Normalerweise
schützt sich unser Gemüt vor einem zu
starken Aufkommen von Unbewusstem. Doch sollte in der
Einübungszeit, wenn man allein übt, nicht
länger als 20 Minuten gegenstandsfrei meditiert werden. Kommt
man dann gut zurecht oder übt unter
Anleitung oder in einer Gruppe, sind längere Zeiten
möglich.
Psychisch
Kranke sollten sich mit ihrem Therapeuten
beraten, ob Meditation überhaupt, oder welche Weise
für sie in Frage kommt und auch ihren
Meditationslehrer informieren. Es kann einem unter
Umständen durch den Prozess der
Kontemplation erst deutlich werden, dass eine Psychotherapie
erforderlich ist.
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In Kursen oder
Gruppen gibt es längere Zeiten der
Kontemplation. Rein körperlich sind längere Zeiten
dadurch möglich, dass nach 20 bis 30 Minuten
Sitzen die Kontemplation ca. 8 Minuten im langsamen aufmerksamen Gehen
(im Zen: Kinhin) geübt wird
und danach setzt man sich wieder.
Zuhause
ist es
gut, täglich möglichst zu einer festen Zeit ca.
20 Minuten zu üben. Ist dies nicht möglich, ist
während des Tages ein Innehalten von 1 bis 10
Minuten empfehlenswert. Überhaupt ist es wichtig, unsere
Übung der wachen Aufmerksamkeit im Alltag
umzusetzen und sich zu üben, wenigstens einiges so zu tun,
dass wir ganz im Hier und Jetzt sind:
Mal innehalten, den Atem wahrnehmen, in die Natur schauen, beim Essen
nur essen, beim Waschen nur
waschen usw.. Das ist intensives Leben. Das gibt Freude.
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Das
eigentliche Ziel der Kontemplation ist es, Gott zu
erfahren und sich selbst dabei durch ihn erneuert zu erleben und dann
so zu leben, dass seine Liebe
durch uns hindurch scheint. Dann ist Gott der Täter unserer
Taten. Gott ist unverfügbar. In der
Übung der Stille halte ich mich nur für ihn
empfangsbereit, um ihn in mir zu erfahren. Gerade
dadurch, dass alles, auch die eigenen Gedanken, beiseite gestellt
werden und wir in der Stille
verweilen, öffnen wir uns dem Wirken Gottes, auch wenn dies
oft und für manche nur ein Zur – Ruhe-
und Zu – sich – selbst – kommen ist.
Aus der
Bibel
können wir grundlegende Gotteserfahrung
vernehmen. Darum wird ein Christ auch in Verbindung mit dem Worte
Gottes meditieren. So ist es gut,
vor oder nach der kontemplativen Übung in der Heiligen Schrift
einen Abschnitt zu lesen. Je größer
der Schatz an bereits eingeprägten geistlichen Inhalten ist,
umso stärker werden wir, auch in der
Kontemplation von solchen Inhalten getragen.
Auch bei
den
christlichen Mystikern können wir Anregungen und
Unterstützung finden. So möchte ich
schließen mit einem Zitat von Meister Eckehart (1260
-1329):
„Der
Mensch soll sich nicht genügen lassen an einem
gedachten Gott; denn
wenn der Gedanke vergeht, so vergeht auch der
Gott. Man
soll vielmehr einen wesenhaften Gott haben, der
weit erhaben ist über die Gedanken des Menschen und
aller Kreaturen. Wer
Gott so, d.h. im Sein, hat, der nimmt Gott göttlich und
dem leuchtet er in allen Dingen; denn
alle Dinge schmecken ihm nach Gott, und Gottes Bild
wird ihm aus allen Dingen sichtbar. In ihm
glänzt Gott alle Zeit, in ihm vollzieht sich eine
loslösende Abkehr und
eine Einprägung seines geliebten gegenwärtigen
Gottes.“
(Traktate
Nr. 4, zitiert nach Josef Quint, Herausgeber:
Meister Eckehart, Deutsche Predigten und Traktate. Diogenes-Verlag.T.B.)
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| "Feier des Lebens" im Haus am Turm, 2010 |
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| Meditation im Haus am Turm, 2010 |
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| Meditation im Haus am Turm, 2007 |
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